Kollegiale Fallberatung

**Noch freie Plätze**
Kollegiale Fallberatung für Lehrer:innen

Das Schuljahr ist ein paar Wochen alt und schon wieder ferienreif?
Der Schulalltag besteht aus vielen Situationen die belastend, konfliktbehaftet und manchmal auch aufwühlend sind.

Kollegiale Fallberatungen bieten Perspektivwechsel und Lösungsideen, die aus der Gruppe entstehen und direkt in die Praxis umgesetzt werden können.
Die Moderation unter fachlicher Expertise dient dazu, zusätzlichen Input zu geben, wo er benötigt wird, das Gespräch lösungsorientiert zu leiten und gleichzeitig eine möglichst neutrale Position einzunehmen.

Ab November gibt es nun die Möglichkeit in neue Gruppen einzusteigen. Diese Fallberatung findet online statt und ist somit unabhängig von Bedingungen vor Ort und lässt sich zeitlich gut in den Alltag integrieren. Die Gruppengröße ist auf maximal 6 Teilnehmer:innen begrenzt. Dauer jeweils 60 Minuten.

Die Moderation: Durch meine langjährige Erfahrung in der Schulleitung verfüge ich über die nötige Erfahrung und den Einblick in den Schulalltag, wodurch ich die Situation der Teilnehmenden gut nachempfinden und entsprechend einordnen kann.
Ich habe Erfahrungen in der systemischen Beratung und als Marte Meo- Kollegentrainierin.
Meine Herzensthemen sind: Inklusion, Resilienz, zeitgemäße Fehlerkultur und Lehrende als Lernbegleiter.

Mein Anspruch an eine kollegiale Fallberatung: Genau zuhören, alle zur Lösung notwendigen Blickwinkel einbeziehen, jede:r ist mit seine:r Erfahrung und Einschätzung wertvoll, es gibt kein „richtig“ oder „falsch“. Jede Sitzung sollte darüber hinaus einen Mehrwert bieten. Ich gebe in der Vor- und Nachbereitung Inputs, die zu den Inhalten passen und um jede:r Teilnehmer:in zu ermöglichen, über die Sitzung hinaus Unterstützung zu erhalten.

Preise

1. Sitzung (Probesitzung): 43,- €
Paket à 5 Sitzungen: 215,- €

Termine

01.11.2021, 15.30 Uhr (Beginn, danach alle 4 Wochen montags)
10.11.2021, 16.00 Uhr (Beginn, danach alle 4 Wochen mittwochs)

Link zur Anmeldung hier.

Neue Wege gehen – eine Entscheidung mit Tragweite

Im Frühjahr 2021 habe ich meine dienstvorgesetzte Dezernentin mit einer Entscheidung geschockt: Ich kündige zum Schuljahresende meinen Beamtenstatus.
Diese Entscheidung war das Ergebnis eines langen Prozesses, bei dem es im Kern um die Frage ging: Ist mein Job als Schulleiterin für mich noch Berufung? So wie ich es mir für mein berufliches Leben vorgestellt hatte?

Im weiteren Verlauf des Gesprächs fragte mich meine Vorgesetzte weiter, ob ich der Schule den Rücken kehren würde. Daraufhin antwortete ich sinngemäß: „Ich kehre nicht DER Schule (meiner Schule) den Rücken, sondern dem staatlichen Schulsystem.“ Schweigen.
Das fasste es für mich am besten zusammen. Denn wenn es nur um meine Schule als Mikrokosmos geht, wäre die Sache unter Umständen anders gelaufen.

Ich war etliche Jahre Konrektorin an dieser Schule, bevor ich Schulleiterin im Rahmen einer Altersnachfolge wurde. Mir ging es nie um das Amt an sich, um meinen Lebenslauf aufzubessern, oder mir etwas zu beweisen. Ich bin in das Lehramt gestartet, um im Bildungswesen etwas zu verändern. Als Lehrerin empfand ich meine Möglichkeiten schnell als erschöpft, darum habe ich das Amt der Schulleitung angestrebt.
Als Konrektorin merkte ich schon, dass ich meine Erwartungen an die Veränderungsbereitschaft des Systems und den Rahmen der Möglichkeiten abspecken musste. Da schob ich es darauf, dass ich ja „nur“ die Stellvertreterin war.

Eines Tages war es soweit: Nach den Sommerferien übernahm ich die Schule als Schulleiterin. Leider zunächst alleine, meine Konrektorennachfolge konnte nicht gleich besetzt werden. Dieser Anfang war schon ein erster kleiner Rückschlag, denn die Besetzung der Nachfolge zog sich, es gab zunächst schlicht keine Bewerber auf die Stelle. Aus einer Übergangslösung wurde ein Jahr, durch das ich mich irgendwie hindurch rettete, immer mit der Aussicht, nach den nächsten Sommerferien wird es besser. Denn endlich gab es Bewerbungen. Am Ende der Sommerferien dann der Schock: Das Verfahren musste noch einmal von vorne beginnen.

Ich versuchte weiter durchzuhalten. Die Schule mitten in Veränderungsprozessen, die noch nicht abgeschlossen waren, neue Veränderungen standen an. Es kam schneller neue Arbeit hinzu, als ich alte abarbeiten konnte. Immer wieder war ich die „Feuerwehr“ in Krisensituationen. Nach fast einem halben Jahr kam dann der Knock-out. Meine Ärztin schickte mich gegen meinen anfänglich leichten Protest in eine längere Auszeit. (Wofür ich ihr rückblickend sehr dankbar bin, von selbst wäre ich da nicht drauf gekommen und auch die Mahnungen der Familie schlug ich zunächst in den Wind.)

Während der Auszeit, nachdem ich zunächst wieder gelernt hatte, irgendetwas mit mir anzufangen, kam das Nachdenken. Ich zog Bilanz und kam zu der Erkenntnis, dass ich so nicht auf dem Weg war, den ich als berufliche Erfüllung betrachten würde.
Neben den Aspekten der Überforderung, war ich in der ganzen Zeit immer wieder im Schulamt angeeckt. Ich traf Entscheidungen so: Was gut für die Kinder ist, ist auch gut für die Schule. Schnell musste ich merken, dass das aber eher nicht „gewünscht“ war, wie ich es mehr oder weniger subtil im Unterton heraushörte.
Neue Projekte und Unterrichtsangebote starten? – Ja, ne, so einfach ist das nicht.
Ich trat im Fernsehen auf. – Klar dürfen sie das, aber wir wollen es eigentlich nicht.
Ich sprach Missstände in der Inklusion an. – Ja, das ist schlimm… aber reden sie das nächste Mal nicht mit XY darüber.
Ich wurde deutlicher und forderte Unterstützung ein. – Ja, ihre Lage ist schwierig, aber vielen anderen geht es ähnlich.

Mir war schon klar, dass der Apparat „staatliches Schulsystem“ eher Öltanker als Rennyacht ist. Trotzdem glaubte ich zunächst, Beharrlichkeit zahlt sich am Ende aus. Nun kam ich zu dem Schluss, dass ich mich in punkto Veränderungen rückwärts zu bewegen begann und das mir dieser Umstand persönlich zusetzte. Mir setzte es auch zu, dass sich die Situation für die Schüler:innen mit besonderen Bedürfnissen an meiner Schule immer mehr verschlechterte und damit auch die Situation für die Kolleg:innen. Meine Möglichkeiten dies zu ändern, sah ich von Tag zu Tag schwinden.
Auf der anderen Seite kam bei mir immer mehr an, dass man meine absolute Loyalität erwartete und meine Art zu denken nicht auf fruchtbaren Boden zu fallen schien.
Somit drohte ich zerrieben zu werden, da ich nicht bereit war, Loyalität dem Dienstherren gegenüber über das Wohl meiner Schule zu stellen.

Nach der Auszeit kehrte ich an die Schule zurück. Das war keine einfache Zeit, aber ich wollte die Dinge ordnen und vor diesem Hintergrund eine Entscheidung treffen.
Schnell war klar, die Talfahrt ging weiter, obwohl ich mittlerweile die Unterstützung einer lieben Kollegin hatte, die den Posten der Konrektorin übernahm. Es kamen immer neue Auflagen und Hürden. Ich bekam auch zu spüren, dass man als jemand, die eine Bruchlandung in Form eines Ausfalls aufgrund von Burnout erlebt hat, eher weiter unten in der Hackordnung steht. Immer wieder wurde meine Dienstfähigkeit erwähnt, vordergründig weil man sich „sorgte“. Dabei arbeitete ich verlässlich, ohne auszufallen, zog aber wesentlich kompromissloser Grenzen, wenn es um meine Gesundheit ging. Ich war nicht mehr bereit, bis zum Letzten zu gehen.

Schlussendlich lief es darauf hinaus, dass ich die Entscheidung traf, von der ich schon länger vorher geahnt hatte, dass ich sie treffen würde. Ich teilte sie allen Beteiligten mit, was durchaus nicht einfach war. Der Arbeitsalltag wurde eher schwieriger und holpriger, da die Dinge nun feststanden und daran nichts mehr zu ändern war. Ich bekam den Eindruck, man nahm meine Entscheidung persönlich.
Ich zog das Ganze trotzdem noch die Monate bis Schuljahresende durch, aber nur aus meinem Pflichtgefühl der Schule gegenüber. Dieser Abschied ist mir dann auch nicht so leichtgefallen. Der Abschied vom Beamtenstatus und dem Behördenapparat dafür sehr.

Nun stehen mir plötzlich alle Möglichkeiten offen, was auf eine verrückte Art spannend und auch etwas beängstigend zugleich ist. Aber darüber im nächsten Beitrag mehr.

Wie Haltung das Lernen bestimmt.

Die Art, wie wir über uns selbst denken, bestimmt, ob wir gut oder schlecht lernen? Das klingt doch nach Esoterik!
Nun, ganz so einfach lässt sich dieser Gedanke nicht abtun und mir hat es für meine Rolle als Lehrerin doch einige Augenöffner beschert. Schon sind wir beim Growth Mindset. Aber was ist das eigentlich?

Growth Mindset, oder man könnte auf Deutsch auch dynamisches Selbstbild dazu sagen, kennzeichnet die innere Haltung, die jeder einzelne von uns gegenüber dem Lernen und der eigenen Entwicklung hat. Hier lassen sich vereinfacht dargestellt zwei Archetypen unterscheiden.

Nehmen wir einmal zwei Beispiele.
Da wäre zunächst Ben. Ben hat ein Fixed Mindset, ein statisches Selbstbild. Er glaubt, dass Talent und angeborene Voraussetzungen bestimmen, wie gut er etwas lernen wird. Wenn er einfach kein musikalisches Talent hat, dann wird er auch nie Klavier lernen. Wäre er ein Mädchen könnte er auch denken: „Mädchen sind einfach nicht so gut in Mathe oder Physik.“ Je nachdem, mit welchen Vorstellungen er oder sie von klein auf konfrontiert wurde. Dies bringt ihn dazu, in bestimmten Bereichen von vornherein sehr niedrige Erwartungen zu haben und er denkt, da lohnt es sich auch nicht, sich anzustrengen.
Ben hasst es Fehler zu machen. Wenn er merkt, dass ihm etwas nicht so gut gelingen könnte, dann lässt er es lieber sein, bevor er noch etwas falsch macht. Besonders unangenehm ist es ihm auch, wenn andere merken, was ihm schwer fällt und was er im Vergleich zu anderen nicht so gut kann. Diese Dinge versucht er eher zu verbergen.
Generell vergleicht sich Ben viel mit anderen und bestimmt darüber sein Selbstbild. Wenn er sieht, wie andere in etwas Erfolg haben, dann demotiviert ihn das und das mag er sich dann auch gar nicht so gerne ansehen.

Hannah hingegen denkt nicht, dass ihr von vornherein Schranken auferlegt sind. Ob man ein Talent für etwas hat oder nicht, ist ihr zunächst egal. Versuchen kann man es doch trotzdem, es zählt das, was man erreichen möchte.
Wenn sie auf ihrem Weg etwas falsch macht, dann sieht sie hier hauptsächlich eine Rückmeldung, wo sie weiter an sich arbeiten muss. Vor allem wertet sie Fehler als „Kritik“ an der Sache und nicht an ihrer Persönlichkeit. Sie fühlt sich dadurch nicht herabgesetzt und gerät nicht so schnell in Selbstzweifel. Ganz nach dem Motto: Falle ich hin, stehe ich auf und mache weiter.
Um weiter zu kommen nutzt Hannah gerne konstruktives Feedback. Sie sieht das nicht als Angriff auf ihre Persönlichkeit, sondern als eine Möglichkeit, sich Unterstützung für ihre Weiterentwicklung zu sichern. Sie sucht die Herausforderung, alles andere käme ihr wie Stillstand vor. Selbst wenn sie eine Herausforderung nicht bewältigen kann, ist Hannah davon überzeugt, dass sie auf dem Weg schon viel dazu gelernt hat.
Etwas nicht (gleich) zu schaffen ist für Hannah kein Grund, grundsätzlich an sich zu zweifeln. Sie kann das, was ihre Persönlichkeit im Kern ausmacht, von den zu bewältigenden Aufgaben trennen. Darum schaut sie sich auch gerne andere Menschen an, die in irgendetwas erfolgreich sind. Es inspiriert sie und macht ihr Mut, es auch zu versuchen.

Diese Beschreibungen sind natürlich recht stark komprimiert, jedes Mindset hat wiederum viele Facetten. Aber ob man angesichts einer sich stellenden Herausforderung dynamisch oder statisch über sich und das eigene Können denkt, hat einen messbaren Effekt auf den Ausgang. Die Psychologin Carol Dweck hat in den USA dazu umfangreiche Studien durchgeführt. Sie hat auch Überlegungen dazu angestellt, wie LehrerInnen ein dynamisches Selbstbild vermitteln können.
Das ist nun natürlich der besonders spannende Punkt. Ich möchte das ganze hier nun nicht mit einem Cliffhanger enden lassen, aber trotzdem hier sehr bald mehr dazu. Bis dahin eine kleine Denksportaufgabe: Angesichts von Tests / Herausforderungen / komplexen Aufgaben / Prüfungen: Bist Du eher Ben oder Hannah?

Resiliente Schüler

Warum ist mir dieses Thema so wichtig? Nun, für mich bedeutet die Frage nach der Resilienz die Antwort auch auf viele andere Probleme. Mir als Lehrer Gedanken über die Resilienz meiner Schüler zu machen, sieht auf den ersten Blick nach viel mehr Arbeit aus. Aber es lohnt sich: Am Ende profitiere ich auch als Lehrer davon.

Resiliente Schüler profitieren auf der sozialen Ebene. Resilient sein bedeutet, in Konflikten gelassener zu reagieren, Kritik annehmen zu können, weniger auf Provokationen zu reagieren und in der Lage zu sein, nach Lösungen in zwischenmenschlichen Fragen zu suchen. Fühlt man sich weniger bedroht und kann gelassener reagieren, ist man offener für andere Meinungen und Gefühle und lässt Situationen weniger eskalieren.

Wenig resiliente Schüler befinden sich kontinuierlich in einem Verteidigungsmodus. Alles könnte potentiell eine Bedrohung darstellen und so fehlt oft die Möglichkeit adäquat zu reagieren. Vor allem kann so auf die Bedürfnisse anderer nicht eingegangen werden. Dies gibt Konflikten reichhaltige Nahrung, auch wenn die Betroffenen dies eigentlich gar nicht möchten.
Können Schüler aber resilient auf schwierige Situationen reagieren, so sind sie auch eher in der Lage, Konflikte alleine zu klären und benötigen hierfür weniger Hilfe von außen.

Resilient zu sein bedeutet viel positive „Nahrung“ für das eigene Selbstwertgefühl. Zur Resilienz gehört, Dinge so anzunehmen wie sie sind, Stichwort Akzeptanz. Neben positiven Emotionen und Optimismus gehört auch eine positive Selbstwahrnehmung zu den Merkmalen der Resilienz. Schüler die dies gut können, erhalten immer wieder Bestätigung und somit wächst das Selbstwertgefühl. Aus diesem Gefühl heraus wächst ein Vertrauen in die eigenen Stärken. Man kann mit Niederlagen und Rückschlägen besser umgehen, weil diese nicht gleich am Selbstwert zweifeln lassen. Resiliente Schüler erscheinen ausgeglichener und sind eher bereit, sich für die persönliche Weiterentwicklung anzustrengen. Damit wächst die Bereitschaft Fehler zu machen und in diesen eine Lernchance zu sehen.

Daraus ergibt sich, dass resiliente Schüler ihr Potenzial besser entfalten können. Mit der Bereitschaft an sich und den Fehlern zu arbeiten, steigt die Chance bessere Leistungen zu erzielen. Hierdurch erreichte Erfolge zahlen positiv auf die eigene Selbstwahrnehmung ein. Im günstigen Fall entwickelt sich eine Spirale „nach oben“. Resiliente Schüler können Hilfe gezielt annehmen und zur Verbesserung der eigenen Leistungen nutzen. Es entsteht eine Freude an der eigenen Weiterentwicklung und eine positive Haltung zu Fehlern, sowie eine hohe Selbstwirksamkeitserwartung. Diese Schüler resignieren nicht, sondern sehen nach vorne und sind eher bereit sich anzustrengen. Mit einer wachsenden Kontrollüberzeugung erhalten resiliente Schüler die Bestätigung, dass sie viele Dinge selbst in der Hand haben und steuern können. Dadurch wird dem Gefühl vorgebeugt, vielen Situationen in der Schule ausgeliefert zu sein, z.B. bei Tests und Arbeiten.

Langfristig wirkt sich eine resiliente Haltung günstig auf die geistige und körperliche Gesundheit aus. Mit Rückschlägen konstruktiv umgehen zu können und in Lösungen zu denken, stärkt die geistige Gesundheit. Je positiver man viele Situationen erlebt, weil man sich nicht mehr machtlos und ausgeliefert fühlt, umso weniger negativen Stress erlebt man. Erschreckenderweise steigt die Anzahl stressbedingter Erkranken bei Schülern massiv an. Depressionen, Burn-out und Essstörungen müssen immer häufiger auch bei Kindern und Jugendlichen behandelt werden. Eine resiliente Haltung kann hierbei vorbeugend wirken.

Stärke ich als Lehrkraft die Resilienz meiner Schüler, habe ich eine Chance, Störungen, sozialen Auffälligkeiten und Leistungsversagen vorzubeugen. Dies wirkt sich positiv auf das Klassenklima und die Lernatmosphäre aus und erleichtert damit auch mir als Lehrkraft das Leben. Im Idealfall eine Win-win-Situation.

Lehrergesundheit 1: Ich bin mal weg!

Das Schulhalbjahr neigt sich unaufhaltsam dem Ende zu. Plötzlich fällt auf, welche Arbeiten noch nicht geschrieben wurden, welche Themen noch abgehakt werden und welche Gespräche noch geführt werden müssen. Im Unterricht wird alles irgendwie immer etwas anstrengender. Jeder Bleistift, der runterfällt während ich etwas erkläre, treibt mich auf die Palme, trotzdem heißt es äußerlich cool zu bleiben. Innerlich wird der Geduldsfaden immer dünner.
Für Lehrer ist das Loslassen vom Alltag ganz schwierig. So manches nimmt man physisch mit nach Hause: Hefte und Arbeiten zum Kontrollieren, Berichte und Protokolle zum Schreiben, Förderpläne und dergleichen mehr. Hinzu kommt das mentale Gepäck: anstehende Elterngespräche, schwierige Unterrichtssituationen, Planungen… In der Regel ist einem das Schicksal der anvertrauten Kinder auch nicht völlig egal.

Da kommt das Wochenende wie eine Rettungsinsel im ganzen Stress. Jetzt mal auf die Couch, die Beine hochlegen, mit Freunden telefonieren – die natürlich auch Lehrer sind. Ruckzuck hält der Alltag auch am Wochenende Einzug. Auf der Couch wandern die Gedanken dann doch zur nächsten Woche: „Ich muss die Mathearbeit noch konzipieren.“ „Mit Schneiders muss ich endlich einen Termin für ein Elterngespräch vereinbaren.“ „Mittwoch ist auch noch Konferenz, das wird ein langer Tag.“
Nein, die Couch bringt es für mich nicht, obwohl ich doch so dringend mal entspannen sollte. Tue ich auch, aber so sieht das aus: Letzten Sonntag habe ich zum ersten Mal in diesem Jahr die Wanderschuhe umgeschnallt. Klingt noch nicht spektakulär, wandern eben. Das machen doch auch Rentner. Dieses Mal zum Einstieg 12 Kilometer auf einem „Waldromantikweg“. Natur und Bewegung, das ist doch klar, dass das gut tut. Dabei geht es für mich darum gar nicht in erster Linie. Der entscheidende Entspannungsmoment ist das stundenlange Laufen, bis irgendwann alles weh tut. Und dann am besten noch etwas weiter. Ich meine nicht „spazieren gehen“, sondern am besten über Stock und Stein, daher gerne auf Trails bei denen man immer auch etwas den Berg raufklettern muss, am besten richtig anspruchsvoll.
Sobald ich mich mit dem Durchhalten, dem Kampf gegen den Schweinehund beschäftigen muss, ist im Kopf gar kein Platz mehr für Schule, Elterngespräche und Konferenzen. Laufen bis es weh tut ist mein Entspannungsmoment, so paradox es klingt. Dass dies beim Wandern etwas länger dauert als bei anderen Sportarten gehört zwingend dazu. Eine Stunde volle Power im Fitnessstudio ist nett, aber nicht das gleiche. Erst ab ca. zwei Stunden Dauerlauf rückt die Schule so weit weg, dass ich wirklich im Hier und Jetzt bin. Der Fokus liegt allein darin, den Körper weiter voran zu treiben, der nicht mehr so recht mag.
Am Ziel angekommen, völlig fertig, ist immer ein kleines Hochgefühl. „Ich bin fertig, ich habe das geschafft!“ Ein Gefühl, dass der Schulalltag oft nicht mit sich bringt. Dort werden Dinge gefühlt nie fertig, man beginnt immer wieder von vorne.
Zum Schluss liege ich wirklich auf der Couch, kaum noch in der Lage mich zu rühren, aber auch dann bleibt die Schule weit weg. Der Körper ist so mit Regeneration und Hormonproduktion beschäftigt, da bleibt das Hirn angenehm auf Sparflamme.
Dann kommt der Montag und die Rückkehr in eine andere Welt. Das ist aber gar nicht so schlimm, denn ich habe ja am Wochenende etwas geschafft. Eine ganz neue Energie, auch wenn einige Muskeln noch zwicken und zwacken.

Mein Fazit: Lehrer stehen mental unter Daueranspannung. Hin und wieder sollten sie körperlich an ihre Grenzen gehen. Wandern eignet sich da meines Erachtens am besten. Man kann ohne große Vorbereitung direkt anfangen, es entschleunigt unheimlich und mit eher geringen Risiken verbunden, wenn man an sich gesund ist.

Lehrerbildung in der digitalen Welt

Lehrerbildung – Kompetenzen in einer digitalen Welt

Dies wird mein Beitrag für die Blogparade der Bildungspunks #EduPnx, bspw. auf Twitter. Im Monat Mai geht es um die Lehrerbildung in einer digitalen Welt.
Welche neuen Herausforderungen gibt es für Lehrer in einer digitalen Welt?
Müssen Lehrer anders ausgebildet werden?
Inwieweit muss sich Unterricht verändern?

Darüber möchte ich sprechen und gerne auch diskutieren. Ich freue mich immer über konstruktive Beiträge im Live-Chat.

Dienstag 16.5.2017 um 17 Uhr!

Webinar schwierige Schüler – Das können wir Lehrer tun

Über die Plattform edudip biete ich kostenlose Webinare an, mit denen ich LehrerInnen bei ihrer Arbeit unterstützen möchte.
Derzeit aktuell das Thema schwierige Schüler. Oft eine alltägliche Belastung für LehrerInnen. In der Seminarreihe werden Fragen und Fälle der TeilnehmerInnen besprochen. Hier ein kleines Video dazu:

Anmeldung zum Webinar hier.

Neue IGS in Kalbach-Riedberg, Frankfurt

Es ist total aufregend, einer Schule beim Entstehen zuzusehen. Wenn es dann auch noch eine Schule ist, auf die man selbst gerne gehen möchte oder auf die man voller Vorfreude seine Kinder schicken möchte, umso spannender!
So ist es auch mit der neuen IGS Kalbach-Riedberg in Frankfurt. Wenn es immer heißt, staatliche Schulen können nichts anders machen, dann entsteht hier das nächste Gegenbeispiel. Fächer- und Jahrgangsübergreifender Unterricht, selbstgesteuertes Lernen in Fachbüros, Vielfalt auf allen Ebenen. Da geht mir das Herz auf und ich freue mich total, das Projekt ein wenig begleiten zu dürfen, mit der ein anderen Meinung, kritischer Stimme oder einfach als Unterstützerin.
Aktuell steht ein grobes Konzept, im Sommer startet der erste Jahrgang und die konkrete Ausarbeitung kommt nach Ostern. Ich freue mich schon mal über so viel positive Energie und einen solch schönen schülerorientierten Ansatz, der die Kinder vor allem mit ihren Stärken und Potentialen sehen möchte.
Ich werde berichten, was ich weiter so tut. Also: Schule kann sich verändern! Dieses Fazit sollte Mut machen.

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Über mich

Wer liest schon wirklich lange Texte über eine Person? Ein paar wichtige Daten über die Person die hinter Entfesseltes Lernen steckt möchte ich trotzdem teilen. Damit es nicht gar so langweilig wird, habe ich mit mir praktisch ein fiktives Interview geführt.

Was habe ich mit Schule zu tun?
Ich war Schulleiterin und Lehrerin an einer Grundschule in Frankfurt am Main. Als Mentorin war ich schon mehrfach in die Ausbildung von Referendarinnen involviert.

Warum habe ich die Seite Entfesseltes Lernen ins Leben gerufen?
Ich bin Lehrerin geworden, weil ich selber schlechte Schulerfahrungen gemacht habe. Mein Gedanke war nach dem Abitur: Das kann es doch nicht gewesen sein. Seitdem ist es mein Bestreben Wege zu finden, wie Schule verändert werden und zu einem Ort werden kann, an dem Schülerinnen und Schüler gerne lernen. Der Erfolg wird aber sehr klein sein, wenn ich nur so vor mich hin verändere. Diese Seite soll Veränderungen und gelingende Beispiele sichtbar machen. Weiterhin möchte ich einen Austausch über Schulveränderung initiieren und die Möglichkeit für Austausch und Unterstützung geben.

Was hat meine Sicht auf Schule nachhaltig verändert?
Neben meiner eigenen Erfahrung zu Schulzeiten, war es die Beschäftigung mit der Hirnforschung. Diese lieferte Antworten darauf, warum mir meine eigene Schulzeit so schwer fiel.

Wo engagiere ich mich für Schulveränderung?
Natürlich an meiner eigenen Schule, aber ich bin immer auf der Suche nach Mitstreitern. Darum habe ich mich mit meiner Schule der Initiative Schule im Aufbruch angeschlossen.

Bei welchen Gebieten kann ich weiterhelfen?
Ich biete gerne meine Unterstützung an, diese Themengebiete sind meine Steckenpferde:

  • Schule verändern (Change Management an Schulen)
  • Marte Meo
  • Gespräche mit schwierigen Eltern
  • Stärkenorientiertes Lernen
  • Resilienz im Kontext Schule
  • Als junger Lehrer gut in den Beruf starten

Was suche ich?
Ich suche Menschen, die sich für Schulveränderung einsetzen oder sich einsetzen wollen, Möglichkeiten durch Vorträge und Seminare meine Gedanken und Tipps in die Welt tragen zu können und Menschen mit denen ich mich austauschen kann.